Die Windbergbahn nach der politischen Wende 1989

Neue Aufgaben für die Windbergbahn

Zum Verfüllen der Schachtanlagen des Bergbaubetriebes "Willi Agatz" wurden über die Windbergbahn Baustoffe angefahren. Anfang der 90er Jahre kamen neue Güterverkehrskunden hinzu.

Erste Sonderfahrten

Für Pfingsten (19./20. Mai) 1991 organisierte unser aus der AG "Windbergbahn" hervorgegangene Sächsische Museumseisenbahn Verein Windbergbahn e.V. die ersten Sonderfahrten zwischen Dresden Hbf und Dresden-Gittersee. Durch den Einsatz unserer Vereinsmitglieder war es gelungen, nach 34 Jahren erstmalig wieder mit einem Personenzug auf der Windbergbahn zu fahren. Die Begeisterung der Bevölkerung, die sowohl an der Strecke als auch auf dem Bahnhof Dresden-Gittersee für eine Volksfeststimmung sorgten, übertrafen alle Erwartungen. Dabei konnte auch die letzte Windbergbahnlok 98.001 wieder auf ihrer Stammstrecke als Ausstellungsstück zurückkehren.

Danach führten wir in unregelmäßigen Abständen zu Himmelfahrt, anläßlich des Dresdner Dampflokfests, zum Freitaler Windbergfest oder am 3. Oktober weitere Sonderfahrten durch, die mit ungebrochener Begeisterung aufgenommen wurden.

Das Ende der Güterbahn

<b>Ein Zug mit Lok 106 290-0 und Kohlewagen hat an einem Septembermorgen 1991 auf der Bergfahrt nach Dresden-Gittersee gleich die Brücke am Kesselgrund erreicht.</b><br /><i>Foto: Klaus Gottschling</i> Etwa 1991 besserte die DR stellenweise die Gleise aus (Nachschottern u. a.) und stellte neue Hektometertafeln auf. Das Reifenwerk Dresden wurde geschlossen und im Zuge der Altlastensanierung abgerissen. Auf dem Gelände des Reifenwerks entstand teilweise das Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee. Das Gewerbegebiet erhielt jedoch keinen Gleisanschluß. Zum 30. Dezember 1993 stellte die Deutsche Reichsbahn entgegen den Protesten der Verkehrskunden den Güterverkehr ein. So nach und nach verschwanden in Dresden-Gittersee die Anschlußgleise des Bergbaubetriebes "Willi Agatz", das Anschlußgleis des Wellpapenwerkes Gittersee und die zwei Gleise zum Lokschuppen im Bf. Auf der Strecke verkehren nur noch unsere Sonderzüge und Überführungsfahrten.

Die Sperrung der Strecke

Zum Windbergfest am 12./13.09.1998 finden die vorerst letzten Sonderfahrten auf der Windbergbahn statt. Die letzte Fahrt auf der Strecke ist die Rückkehr der Kleindiesellok Kö 4500 von der Überführung des 4. Klasse-Wagens nach Dresden-Friedrichstadt. Ab dem 01.11.1998 dürfen keine Fahrten mehr stattfinden, da die Strecke wegen Oberbauschäden gesperrt wird. Zur Sperrung führt die Spurerweiterung in Folge morscher Holzschwellen auf 300 m Länge am Gleisbogen Karlsruher Straße (km 5,0-5,3).

Seitens des Eigentümers DB Netz AG besteht kein Interesse an der Strecke, so dass auch keine Gleisbauarbeiten durchgeführt werden. Somit wird die Sanierung der Strecke erst nach Übernahme durch ein privates Eisenbahnverkehrsunternehmen möglich.

Der Bahnhof Dresden Gittersee verändert sich

Am 15. November 1999 beginnt der Abbruch der Rohrbrücke im Bf. Dresden-Gittersee. Über die Brücke führte die Heiztrasse zum Bergbaubetrieb "Willi Agatz", welche jahrelang das Bahnhofsbild prägte. Mit dem Abriß der Rohrleitungen wird der Bahnhof auch das negative Image einer Industrieanlage los.

Ein Jahr später wird auch die markanten Fußgängerbrücke der Wismut GmbH abgebrochen. Sie diente als Verbindung von Schacht und Sozialgebäuden.

Sanierung der abgebauten Trasse beginnt

Im Rahmen zweier durch die Stadt Freital getragenen AB-Maßnahmen beginnt im Oktober 2000 die Sanierung auf dem abgebauten Teilstück der Windbergbahn. Eine ABM-Gruppe saniert das Empfangsgebäude des Haltepunktes Kleinnaundorf und gestaltet das Umfeld neu. Die zweite ABM-Gruppe legt einen Rad-/Wanderweg auf der ehemaligen Trasse der Windbergbahn von der Straße "An der Semmeringbahn" bis zum Haltepunkt Kleinnaundorf an. Dazu gehören das Entfernen von Bewuchs auf der Trasse, teilweise Sanierung der Brücken, Befestigung des Weges mit Feinsplitt und Aufstellen von Informationstafeln. Der Weg wird so angelegt, daß die Möglichkeit offen gehalten wird, auf der abgebauten Trasse wieder Gleise zu verlegen.

Im September 2001 wird der rekonstruierte Haltepunkt Kleinnaundorf übergeben. Im Dezember wird der Rad- und Wanderweg eröffnet.

Stilllegungsversuch der Windbergbahn durch die DB AG

Nachdem die Verhandlungen über eine Pacht der Windbergbahn durch die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) aufgrund inakzeptabler Vertragsklauseln abgebrochen wurde, reicht die DB Netz AG Anfang Februar 2002 beim Eisenbahnbundesamt (EBA) in Bonn den Antrag auf Stillegung der Eisenbahnstrecke Freital Ost - Dresden-Gittersee ein.

Das EBA lehnt im Mai 2002 den Stillegungsantrag der DB Netz AG für die Eisenbahnstrecke Freital Ost - Dresden-Gittersee ab. Es trifft außerdem eine Grundsatzentscheidung hinsichtlich der Kostenübernahme bei der Erneuerung von Gleisanschlüssen im Zuge von Um- und Ausbaumaßnahmen der DB Netz AG. Die DB Netz AG legt darauf hin Einspruch gegen die Ablehnung beim EBA ein.

Im Juli 2002 lehnt das EBA auch den Einspruch der DB Netz AG ab und entscheidet damit wieder zu Gunsten der Windbergbahn.

Die Jahrhundertflut und ihre Folgen

Am 13. August 2002 schwellen durch extrem starke Regenfälle sächsische Flüsse, darunter auch die Rote und die Wilde Weißeritz an. Es bildete sich eine Flutwelle, die in Freital und Dresden zur größten Hochwasserkatastrophe der Weißeritz führten. Die Windbergbahn wird teilweise mit betroffen. Am Haltepunkt Freital-Birkigt wurden Gleise unterspült beziehungsweise von Wasser, Schlamm und Unrat überflutet.

Stärker treffen den Verein die folgenden Handlungen der DB Netz AG. Im Rahmen des Wiederaufbaus der durch das Augusthochwasser 2002 zerstörte Eisenbahnstrecke Dresden–Tharandt will die DB Netz AG gleich die mit dem Ausbau der "Sachsenmagistrale" geplanten Änderungen umsetzen. Deshalb reißt das Unternehmen in Freital sämtliche Eisenbahnbrücken (auch unbeschädigte) ab. Am 12.12.2002 mußte der Windbergbahn e.V. feststellen, daß auch das unter Denkmalschutz(!) stehende "Höllenmaul" - die ehemalige Unterführung der Windbergbahn unter der Hauptstrecke - abgerissen wurde. Ein paar Tage später hätte man den 90. Jahrestag der Inbetriebnahme (27.12.1912) des Bauwerks begehen können.

Die 98001 verschwindet von den Gleisen

Das Industriemuseum in Chemnitz würdigt auch das Werk von Richard Hartmann, dem sächsischen Lokomotivbauer. Krönung der Ausstellung soll eine Lokomotive Hartmanns werden. In einer von zahlreichen Eisenbahnfreunden mißbilligten Entscheidung entscheidet sich das Verkehrsmuseum Dresden für die Windbergbahnlok 98001 als Dauerleihgabe. Am Abend des 03.02.2003 wird diese per Straßentieflader vom Bw Chemnitz-Hilbersdorf in das Industriemuseum Chemnitz transportiert. Weshalb das VMD ausgerechnet die Windberg-Lok als Exponat für das Industriemuseum ausgewählt hat, kann bis heute nicht nachvollzogen werden, da es wesentlich erfolgreichere und auch zahlreichere Lokomotiven Hartmanns gibt (z.B. die berühmte IV K).

Es rollen wieder Arbeitszüge

Am 10. Mai 2003 erhält der Windbergbahn e.V. die Genehmigung von den zuständigen Stellen (DB Netz AG, EBA, …), die seit knapp 5 Jahren gesperrte Strecke wieder mit Arbeitszügen zum Freischneiden zu befahren. Zusätzlich dürfen ab diesem Datum im Bahnhof Dresden-Gittersee Führerstandsmitfahrten durchgeführt werden.

Im Sommer 2003 demontiert eine Spezialfirma die zwei Fördertürme des Bergbaubetriebs Willi Agatz. Diese werden später in Freital wieder aufgestellt. Im Bahnhof Dresden-Gittersee erinnert immer weniger an den vergangenen Bergbau.

Die DB AG eröffnete die Sachsenmagistrale auf der Strecke Dresden - Klingenberg-Colmnitz nach Umbau und Beseitigung der Hochwasserschäden wieder. Trotz der in den genehmigten Bauunterlagen enthalten Anbindung der Windbergbahn an die Hauptstrecke, verzichtet die DB Netz AG eigenmächtig auf diese Anbindung. Die Windbergbahn ist damit vom übrigen Eisenbahnnetz abgeschnitten.

Das Ende der Arbeitszüge

Aufgrund von internen Abstimmungsproblemen beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) wird die im Mai 2003 erteilte Genehmigung für den Einsatz von Arbeitszügen auf der Windbergbahn aufgehoben. Am 6. August 2005 fährt der letzte Arbeitszug zum Freischnitt der Stützmauer im Geiersgraben.

Neue Stillegungsversuche der DB Netz AG

Der Rechtsstreit zwischen DB Netz AG und Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bezüglich Stilllegung der Windbergbahn wurde außergerichtlich beendet. Als Konsequenz muss die Bahn die Strecke der Windbergbahn zur Übernahme durch Dritte europaweit ausschreiben. Die Stilllegung ist vorerst abgewendet.

Auf der vorgezogenen Jahreshauptversammlung des Windbergbahn e.V. im Februar 2007 stimmen die Mitglieder dafür, dass der Verein bei der DB Netz AG seine Absicht zur Pacht der ausgeschriebenen Bahnstrecke Dresden-Gittersee – Freital Ost bekundet, um ein Stilllegungsverfahren zu verhindern.

Die Stadt Freital kämpft gegen die Windbergbahn

In Verkennung des touristischen Potenzials und der historischen Verantwortung gibt es in Freital Pläne zur Beseitigung des technischen Denkmals Windbergbahn. Vermehrt äußern sich einige Freitaler Politiker auf Veranstaltungen zur Umwandlung. Um das überregionale Interesse an der Windbergbahn zu dokumentieren startet der Windbergbahn e.V. eine Unterschriftenaktion zum Erhalt Deutschlands ältester Gebirgsbahn.

Im Dezember übergibt der Windbergbahn e.V. dem Freitaler Stadtrat eine Mappe mit knapp 5.000 Unterschriften zum Erhalt der Windbergbahn. Neben der Unterstützung aus allen Teilen Deutschlands kamen auch Unterschriuften aus Norwegen, Schweden, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Ungarn, Großbritannien, Kanada und aus den USA. Damit konnte das internationale Interesse an der Windbergbahn erfolgreich dokumentiert werden.

Der Pachtvertrag für die Windbergbahn

Am 12. Dezember wird zwischen dem Eigentümer DB Netz AG und dem Windbergbahn e.V. als Pächter der Pachtvertrag für die Eisenbahnstrecke Freital Ost – Dresden-Gittersee (Windbergbahn) unterzeichnet. Der Pachtvertrag enthält auch den Wiedereinbau der Anbindung an die Sachsenmagistrale. Der Pachvertrag enthält außerdem eine Kaufoption für die Strecke durch den Windbergbahn e.V.

Der Pachtvertrag tritt erst in Kraft wenn der Windbergbahn e.V. als Eisenbahninfrastrukturunternehmen anerkannt wird. Der Verein arbeitet mit voller Kraft an diesem Ziel. Für die Genehmigung ist vor allem ein dauerhaft tragfähiges Konzept notwendig.

Es rollen wieder Arbeitszüge auf der Windbergbahn

Nach knapp 4 Jahren fährt bei Schnee am 21. Februar 2009 wieder der erste Arbeitszug auf der Windbergbahn. Seitdem sind regelmäßig Arbeitszüge unterwegs.

Konzession zum Betrieb eines Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmens

Am 20.10.2010 erhält der Windbergbahn e.V. auf einer Festveranstaltung die Konzession zum Betrieb eines Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmens. Damit ist die Windbergbahn die erste regelspurige Museumseisenbahn Sachsens. Die Grundlagen zur Sanierung der Strecke sind gelegt.


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